Rück-Sicht aus drei Perspektiven

Der FidL-Vorstandsvorsitzende Henry Sawade hat auch mich gefragt, ob ich nicht einen kleinen Text schreiben könnte. So „eine Art Rückblick auf das Jahr 2017 aus Elternsicht“, sagte er. Das ist natürlich vollkommen unmöglich - aus gutem Grund.

Wir Eltern sind so verschieden wie unsere Kinder. Was aus Sicht "der" Eltern im Jahr 2017 geschehen ist - sowohl im Guten wie auch im Bösen - kann ich nicht sagen. Aber ich kann darüber schreiben, was mir selbst für das Jahr 2017 im Zusammenhang mit dem Kinderhaus Fridolin in Erinnerung geblieben ist.

Und da gibt es drei Seiten:

Die erste hat damit zu tun, dass unser Sohn Otto von einem Papagei 2 zu einem Papagei 1 geworden ist, einer der "Großen" also. Am 1. September 2014 fing er in der schönen Villa an, als Delfin bei Sabine. Und nun, mehr als drei Jahre später, geht er als "Schulpapagei" mit seiner Erzieherin Friderike ins "Grüne Klassenzimmer". Und ab August 2018 wird er dann in die Grundschule gehen. Für ihn - und seine Eltern - war das eine gute, wichtige und weichenstellende Zeit. Und immer, wenn wir in Zukunft an der Villa vorbeigehen werden, werden wir an fast vier gemeinsame Jahre denken. Mit insgesamt sehr guten Erinnerungen. Und dann hören wir uns gemeinsam die Lieder von der Pupsprinzessin und dem Kugelblitz an, aber ganz besonders das Lied "Das darfst du nicht". Gut, dass es das auch - aber nicht allzu oft - zu hören gab im Kinderhaus Fridolin. Dafür sehr viel mehr: "Nur Mut, probier es aus! Wer nicht wagt, bleibt eine graue Maus."

Die zweite Seite hat mit meiner Mitarbeit im Kitaausschuss Fridolin zu tun. So wie es für Otto drei sehr wichtige Jahre und Erfahrungen waren, so war es für mich eine sehr wichtige Zeit, die ich ab Oktober 2014, zuerst als stellvertretender Elternvertreter bei den Delfinen und dann als Mitglied des Kitaausschusses erleben durfte. Beim Durchblättern der vielen Protokolle fallen mir einige der wichtigen Etappen dieser langen Zeit wieder ein: Neubeginn von Christin, Marie und Janet, der letzte Regenbogencup, der Abschied von Brit und die dadurch ausgelösten Veränderungen, Einführung des Zahlencodes, Wegfall von "Weihnachtsmann"/"Christengel" und Ersatz durch "Sternenstaub", der grundlegende Umbau des Außenbereichs, die erneute Zertifizierung als "Haus der kleinen Forscher", das große Fest zum 25. Geburtstag von FidL, die Umstellung der Regelung der Bettwäsche der Kinder. Das mag alles einigermaßen banal und üblich klingen, aber es waren dann doch zugleich einschneidende Veränderungen für uns alle.

Dankbar bin ich für die Möglichkeit, auf diese Weise doch sehr viel intensiver "hinter die Kulissen" von Fridolin und FidL sehen zu dürfen. Viele Eltern denken allein an ihr Kind, wenn sie an Fridolin denken. Sie haben - das ist mein bestimmter Eindruck nach nun über drei Jahren - kein sonderlich großes Interesse weder an der Sichtweise und den Nöten des pädagogischen Personals und schon gar nicht für die Aufgabenstellung der Verwaltung von FidL.

Aus meiner Rück-Sicht: ein ganz großer Dank an Anne Langen für die Zusammenarbeit in den zurückliegenden Jahren, große Anerkennung für die Arbeit aller im Kinderhaus Fridolin und in der Alleestraße und Dank an jene Eltern, die aktiv und konstruktiv dabei mitgewirkt haben, dass es unseren Kindern - auch unter manchmal sehr schweren Bedingungen - insgesamt sehr gut geht. Viel Glück, Erfolg und Befriedigung wünsche ich Kerstin Hentschel und Katja Grösser für die Fortsetzung der Arbeit im Kitaausschuss: es lohnt den Einsatz, vor allem für die Kinder. Und nicht nur die eigenen!

Die dritte Seite meiner Erinnerungen an das Jahr 2017 betrifft meine vielfältigen Erfahrungen im Rahmen des Vorstands des Kita-Elternbeirats Potsdam. Als mich der Kitaausschuss Fridolin im Dezember 2016 fragte, ob ich bereit sei, für dieses erst zu gründende Gremien zu kandidieren, war mir nicht klar, worauf ich mich einlassen würde.

Zur Erinnerung: Der KiTa-Elternbeirat Potsdam ist ein Mitbestimmungsgremium der Eltern gemäß § 6a des brandenburgischen Kita-Gesetzes auf städtischer Ebene. In diesem Beirat sollen Themen der Eltern bearbeitet und vertreten werden, die nicht auf der Ebene des einzelnen Kita-Ausschusses besprochen/geklärt werden können. Der KiTa-Elternbeirat hat sich am 10.01.2017 konstituiert. Er besteht (idealerweise) aus je einem Vertreter der 117 Einrichtungen in Potsdam (Kindergärten und Horteinrichtungen), derzeit vertreten wir 53 Einrichtungen. In der Veranstaltung am 10.01.2017 wurde ein siebenköpfiger Vorstand gewählt, der den Beirat nach außen vertreten soll. Wir begannen zu siebt, waren zwischenzeitlich zu fünft, jetzt sind wir wieder zu sechst. Jeder von uns ist berufstätig, hat Familie und ist in einem Kitaausschuss engagiert. Die ehrenamtliche Arbeit im Kita-Elternbeirat führte in den vergangenen zwölf Monaten dazu, dass jedes Vorstandsmitglied (mindestens) einen Termin in der Woche wahrnahm.

Unsere Arbeit bestand darin, den KiTa-Elternbeirat intern zu strukturieren (Verabschiedung einer Geschäftsordnung, Gründung von Arbeitsgruppen, Vernetzung, Gewinnung von weiteren Elternvertretern, Durchführung von zwei Mitgliederversammlungen im Juni und im November) und extern mussten wir vor allem die Abläufe bzw. Abhängigkeiten in Politik und Verwaltung kennenlernen. Und dabei ausloten, welchen Einfluss wir als KiTa-Elternbeirat auf bestimmte Themen nehmen können, vor allem im entscheidend wichtigen Jugendhilfeausschuss, wo wir uns die Position "beratendes Mitglied" erkämpft haben.

Es gäbe viel zu berichten, was wir als Vorstand in den von uns gegründeten Arbeitsgruppen mit interessierten Elternvertretern und Eltern diskutiert und bearbeitet haben: "AG Betreuungsqualität" (Personalschlüssel: Finanzierung von langen Betreuungszeiten in Potsdam, Finanzierung von Ausfallzeiten bei Krankheit, Urlaub und Fortbildung, Fachkräftemangel im Erzieherberuf), "AG Elternbeiträge" (Evaluation der Kita-Elternbeitragsordnung, Höhe der Elternbeiträge und Mittagessenszuschuss gemäß aktueller Rechtsprechung), "AG Kita-Plätze" (Anmeldeverfahren Kita/Tagespflege, Kita-Bedarfsplanung), "AG Hort", "AG Verpflegung", Mitarbeit in der "Initiative Qualität vor Ort" (Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf).

Mittlerweile dürften wohl alle Potsdamer Eltern von Kindern in Kita-Betreuung mitbekommen haben, dass wir eine Menge der von uns angesteuerten Ziele bereits erreicht haben.

Wesentlich durch die Initiative und den Druck des KiTa-Elternbeirats wurde endlich ein Rechtsgutachten erstellt, in dem die rechtlichen und finanziellen Zuständigkeiten bei der Finanzierung der langen Betreuungszeiten (8/10-Stunden) zu Lasten des Landes festgestellt wurden. Nur so gelang es, die nachhaltige Bereitstellung von 4,5 Mio für die Verbesserung der Betreuungssituation in den Potsdamer Kitas politisch zu erreichen.

In den vergangenen Wochen wurde - allein durch unsere eigenen Recherchen, die wir auch erst durch die mit Hilfe der "Landesbeauftragten für den Datenschutz und für das Recht auf Akteneinsicht Brandenburg" bei der Stadt erzwungene Akteneinsicht anstellen konnten - auch dem Jugendhilfeausschuss deutlich, dass die bisherige und aktuelle Praxis der Berechnung der Elternbeiträge auf einer rechtlich mehr als zweifelhaften Basis durchgeführt wurde, so dass die Stadt nunmehr gezwungen ist, diese auf eine neue Basis zu stellen. Erst das Jahr 2018 wird zeigen, zu welchen Ergebnissen alle diese von uns angestoßenen Prozesse führen werden.

Es war, wenn ich das alles innerlich Revue passieren lasse, ein bewegtes und ertragreiches, wenn auch zuweilen anstrengendes Jahr 2017.

Ich wünsche uns allen - dem pädagogischen Personal, den Praktikanten, den Helfern in Küche und Haus, den engagierten Menschen in der Verwaltung von FidL, den Eltern und Großeltern - ein wiederum ertrag- und erfolgreiches Jahr 2018. Und vor allem wünsche ich mir, dass es allen Kindern, für die wir Verantwortung übernommen haben, gut gehen möge.

Dirk Kaesler