Demokratie in rot und weiß - zum Mitmachen

Was machen eigentlich Politiker? Ist das ein Beruf und wie werden „Die“ bezahlt? Und wo arbeiten Politiker eigentlich? Fragen über Fragen, die sich die Papageien jedes Jahr in den FidL-Kinderhäusern Fridolin und Pittiplatsch aufs Neue stellen. Demokratie-Verständnis beginnt schließlich schon im Kindergarten! Oder?

Es ist Mai, die Sonne lacht und wir machen uns gut gelaunt zu Fuß auf den Weg vom FidL-Kinderhaus Fridolin in den Brandenburgischen Landtag. „Das Gebäude sieht aus, wie ein „Neues, altes Schloss“. So sieht es jedenfalls Tom*, als wir nach diesem Spaziergang die Treppen der Nicolaikirche für eine kurze Verschnaufpause nutzen. FidL-Erzieher Henry erzählt ein wenig über den Alten Markt und das Treiben der Menschen, die sich hier vor der alten Kirche trafen. Dann geht es um Architekturbegriffe und eine Göttin, die sich ganz oben auf dem Fortuna-Portal im Wind drehen soll. Sie strahlt in hellem Goldton auf die Besucher herunter. Die Kinder der Papageiengruppe schauen gebannt nach oben. Dann passiert das Unglaubliche, die nackte goldene Dame bewegt sich tatsächlich. Von nun an wird Sie nicht mehr aus den Augen gelassen. Begeisterung kommt bei den Papageien auf.

Diese ist so groß, dass Frau Klara Geywitz sich erstmal bemerkbar machen muss. Nach einer freundlichen Begrüßung durch die Landtagsabgeordnete beginnt der Gang durch die „heiligen Hallen“ der Brandenburgischen Politik. Klara erklärt den Kindern viele kleine interessante Details. Da gibt es Kunst zum Nachdenken, die wir schon irgendwo mal im Park Sanssouci gesehen haben. Natürlich - das ist der Mittelteil des Schlosses vom Alten Fritz, dem Kartoffelkönig. Es geht um die Flaggen, die eifrig im Wind wehen. Die Papageien kennen sich gut aus! Die Flagge der EU, Land Brandenburg mit rotem Adler und natürlich Deutschland-Fahne. Alles kein Problem.

Das Gebäude ist kaum älter als die Papageien und im Innenbereich kann man das auch deutlich erkennen. Alles ist so eingerichtet, dass sich auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Gebäude zurechtfinden. Es gibt sogar ein Modell und Schrifttafeln in Blindenschrift. Ein langer weißer Streifen auf dem Boden reicht vom Fortuna-Portal bis zum Eingang. Der ist für sehbehinderte Menschen gedacht. Er hat eine besondere Oberfläche und beim Überqueren spürt man an den Füßen, wenn man vom Weg abkommt. So können auch Blinde selbstständig den Zugang zum Haus finden. Innen strahlt alles in Weiß. Marmor an der Wand und Boden sowie ein paar alte Steine an den Stellen, wo einst das originale Potsdamer Stadtschloss seine Ausschmückungen hatte. Die Kolossal-Hermen und Relieftafeln sind Fragmente, die den 2. Weltkrieg und die endgültige Zerstörung zu DDR-Zeiten überdauert haben.

Die Sicherheitsleute am Eingang winken und freuen sich offensichtlich über die kleinen Besucher. Kaum im Innenbereich angekommen, erwartet uns die erste Überraschung. Das RBB- Fernsehen macht gerade ein Politiker-Interview. Die Aufnahmeleiterin wird einen Moment lang blass. Doch die Papageien sind alte Medienhasen. Es ist so still, dass der Politiker ganz in Ruhe die Fragen des Reporters beantworten kann. Dann kommt Entwarnung und die Papageien plappern wie gewohnt weiter. Erste Station Glasboden und Überreste des alten königlichen Weinkellers. Ist besonders für unseren Hobby Archäologen Leo* interessant. Er hat schon fast den gesamten Spielplatz im FidL-Kinderhaus Fridolin um- und ausgegraben.

Wir schauen jetzt mal in Klaras Büro. Ziemlich klein, aber aufgeräumt und mit Blick auf eine Krone, die wir erst beim zweiten Hinschauen finden. Es werden alte Aufnahmen vom Schloss gezeigt und erklärt, was hier alles so geschrieben werden muss. Nun geht es in den Plenarsaal. Hier besprechen die Politiker viele verschiedene Themen (Debatte) und beschließen die Gesetze (Spielregeln) nach denen sich unser Zusammenleben gestalten soll. Hektor* stellt fest, dass „ es wie im Kindergarten ist… oder so ähnlich“. Da gibt es auch Regeln. Alles ist rot und weiß. Sogar die Sofas der Abgeordneten. Auch die Drehstühle. „Mhh… irgendwie nicht praktisch meint Lisbet*, da muss man viel zu viel putzen, da sieht man ja jeden Gummistiefelabdruck“.

Der Plenarsaal ist nun unser. Klara schlägt vor, dass wir jetzt mal ganz schnell Politiker werden. Was sind Parteien, klärt sich ganz schnell. Was ist eine Debatte? Das werden wir in den nächsten Minuten lernen. Inhalt der Sitzung ist geheim! Henry bekommt langsam Zweifel, ob das eine gute Idee war. Dann die Frage, ob wir denn Politiker kennen? „Na klar“, sagt Julian* „ ich darf sogar Dietmar zu ihm sagen.“ Beim letzten Besuch in der Kita hat er Herrn Woidke in Empfang genommen.

Zur Debatte: Henry muss nun das Ganze leiten - graue Haare kommen durch. Es geht um Vorschläge zur kulturellen Untermauerung der Unternehmungen im FidL-Kinderhaus Fridolin im zweiten Halbjahr 2019. Die blaue Fraktion möchte mit den Papageien ins Blu schwimmen und planschen gehen. Der Redner dieser Fraktion macht es kurz und bündig. „Da ist es warm, man hat Spaß und baden ist gesund.“ Beifall kommt auf. Henry sieht blass aus. Weiter geht es mit den Befürwortern von einem aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht weiter genannten Erdbeerhof. Die Fraktion hat die gelbe Farbe gewählt. Hier erfahren wir von der Fraktionssprecherin viele Details über Angebote jeglicher Art. Henry verweist auf die abgelaufene Redezeit. Beifall. Durchatmen beim Vorsitzenden. Weiter geht es mit jung dynamischen Hüpfern, die ins Jump wollen. Sport ist gesund, die Sache ist sicher, macht Laune und wird von Tante Else bezahlt. Henry hört sehr gespannt zu. Wer ist Tante Else?

Nach einer sehr bewegten Debatte kommt nun das Unvermeidliche: Es wird abgestimmt. Die Abstimmung verläuft friedlich. Es gibt keine Zwischenrufe und die Abgeordneten klatschen zum Schluss Beifall. Henry verkündet das Wahlergebnis unter dem Vorbehalt, Tante Else kennenlernen zu müssen. Nach dem man nun auch noch Abgeordneten-Status erlangt hat, gibt es Abgeordneten-Abzeichen zum Anstecken. Jeder soll sehen das Politiker sein, ganz einfach ist.

Zu guter Letzt, werfen wir einen Blick von der Dachterrasse. Da kann man neben der Fortuna noch den Atlas und ein paar Engel bewundern. Wir verabschieden uns von Klara und versprechen irgendwann Mal wieder zu kommen. Henry muss an einen heute 19jährigen Wahlkämpfer denken, den er vor vielen Jahren auf ähnliche Art und Weise an seine politischen Grundkenntnisse geführt hat. Im Mai strahlte dieser stolz von den Wahlplakaten an den Straßenlaternen.

Etwas geschafft treten wir nun mit der Straßenbahn den Rückweg an. Alle sind froh, dass die FidL-Küchenfee uns lecker essen aufgehoben hat. Pause. Am Nachmittag wird der Politikeralltag auf dem Spielplatz nachgespielt. Interviews, Abstimmungen und neue Gesetzte entstehen im Handumdrehen. Henry ist froh, dass nur einige dieser Abstimmungen und nicht alle weiteren Folgen für die zukünftige Arbeit bei FidL haben wird. Danke an Frau Klara Geywitz für den kindgerechten Einstieg in die Landespolitik.

*Kindernamen geändert