Einen Tag leben wie die Indianer

Das Leben ist so vielfältig: Es gibt viele Weltanschauungen, Religionen und Kulturen. Für Kinder ist es spannend auch Fremdes zu entdecken. Zusammen mit ihrer Tagespflegeperson Beate Müller haben sich die Kinder der „Kleinen Welterforscher“ auf Entdeckungsreise gemacht…

Da die Kinder meiner Gruppe schon zu den Größeren gehörten, wollte ich ihnen gern einmal das Leben der Indianer als einen Teil einer anderen Kulturgruppe nahebringen. Ich hatte mich mit Petra Schäfer ausgetauscht, die selbst Kindergärtnerin war und nun schon viele Jahre mit einem „Indianerprojekt Pow Wow“ durch die Lande zieht, wie das am besten an Kinder in diesem Alter dieses Thema herantragen kann. Es ging darum auch etwas für ihr Leben und den Umgang mit fremden Kulturen mitnehmen zu können.

Sie hat mir zu dem Thema Malvorlagen zugeschickt, die Szenen aus dem täglichen Leben der Indianer zeigen. Damit und mit einem regen Austausch über unser kleines Indianerbuch konnte ich die Kinder auf den Tag gut vorbereiten. Wir stimmten uns ein selbst in das Leben der Indianer einzutauchen…

…dann war es endlich soweit. Wir konnten als erstes sehen, wie ein Tipi, ein Indianerzelt, von nur einer Indianerin aufgebaut wird. Das war ziemlich aufregend anzusehen: Alle Einzelteile wurden von den Kindern zuvor neugierig betastet und untersucht. Erst stand da nichts und kurze Zeit später steht da ein drei Meter hohes Zelt. Die Kinder duften sogar mithelfen und die Speiler einfädeln, die das Zelt am Eingang zusammen halten.

Es gab auch viele Dinge zu bestaunen und auszuprobieren: wie weich die Schaffelle sind; wie glatt fasst sich ein Hornlöffel an; wie schön bestickt mit winzigen Glasperlen sind die Indianerpüppchen aus Rehleder und viele andere Dinge mehr.

Dann ging es so richtig los. Wir probierten indianische Kinderspiele aus. Am meisten Spaß hat uns das Schildkröten-Spiel gemacht, in dem zwei Schildkröten (aus Leder genäht) um die Wette liefen (natürlich nur, wenn wir fleißig gewickelt haben). Das Zielwerfen und Stoffreifenstechen erfordert Geschick - auch das haben wir prima gemeistert. Auf den ausgelegten Fellen im Tipi haben wir es uns gemütlich gemacht. Fasziniert lauschten wir den ersten Rhythmen und indianischen Gesängen von Petra. Wir haben einen Tanz gelernt. Der Rhythmus wurde mit der Trommel geschlagen und Petra hat dazu ein Indianerlied der Lakota gesungen. Der Rundtanz wird im Kreis getanzt und ehrt die vier Himmelsrichtungen, Mutter Erde und das Zentrum des Universums.

Nach so vielen Erlebnissen und Eindrücken waren wir hungrig und müde. Zum Mittag gab es einen indianischen Eintopf aus Mais, Bohnen und Kürbis, der Succotash heißt. Das Rezept war auch in dem Projektmaterial von Petra Schäfer, wo es auch noch Basteltipps gab. Zum Einschlafen sang Petra dann für die Kinder noch ein Schlaflied der Zuni-Indianer, das die Kinder von mir gesungen noch lange Zeit begleitete. Sämtliche Lieder und Tänze sind keine Fantasie-Neuschöpfungen (was ja nicht schlecht wäre, aber eine andere Herangehensweise), sondern den Originalen nachgesungen und getanzt.

Nach dem Schlafen und einer Stärkung kamen dann die Eltern. Wir alle lauschten zusammen im Tipi der Geschichte vom Steinknaben. Aber es gab nicht nur was zu Hören, sondern die Geschichte wurde von der Handpuppe Tschapa, dem Biber und anderen Püppchen gespielt. Dadurch hat uns alle die Geschichte sehr berührt.

Wir haben gemeinsam Lieder gehört und Tänze gesehen. Es wurde ein Begrüßungslied gesungen und ein Tanz über einen Adler gezeigt. Es sah aus, als würde ein Adler fliegen; uns haben sogar die Schwingen gestreift. Den Tanz, den wir am Vormittag geübt hatten, konnten wir nun auch zeigen. Die Eltern haben alle freudig mitgemacht beim Rundtanz. Die Spiele haben wir unseren Eltern gezeigt und mit ihnen gespielt. So konnten die Eltern sehen, auf welch anschauliche und emotional ansprechende Weise, den Kindern Inhalte und Haltungen vermittelt werden.

Es war ein toller und faszinierender Tag für uns alle. Die Kinder sangen auf ihre ganz eigene und wundervolle Weise noch immer viele Tage Teile der Indianerlieder vor sich hin und die Eltern haben zusätzlich noch viel Hintergrund-Information von Petra mitgenommen.

Wenn das Alter meiner Gruppe wieder einmal dazu passt, freue ich mich schon auf ein nächstes Fest mit ihr.

Die „Kleinen Welterforscher“
Beate Müller

Kontakt zu Petra Schäfer:
Floringshof, 14728 Rhinow, Tel. 0172 3890859