Erste Fahrländer Schwalben fliegen in die Schule

Einmal kommt immer die Zeit, zum Abschied nehmen und ein neues Abenteuer zu bestreiten. Für die Schwalben des FidL-Kinderhauses Pipapo war dies Ende Juni 2021 zum ersten Mal der Fall. Wir verabschieden alle SchulanfängerInnen und wünschen alles Gute für den Start in die Schule!

Manchmal musst Du gehen, manchmal reicht ein kleiner Schritt, manchmal musst Du rennen, nimmst nur Dich selber mit. Manchmal muss man warten auf den einen Augenblick, irgendwann wirst Du dann starten, nimm Dir ein paar Freunde mit.  Song „Manchmal“ Morgenkreis II

Nach Monaten des Wartens, die gefühlt nun anderthalb Jahre gedauert haben, ging es für die ersten Schwalben des Kinderhauses Pipapo auf den ersten und letzten Schwalbenausflug. Ein kleiner Schritt für die Kinder, die in diesem Jahr ihre Grundschulzeit beginnen. Für das Team Pipapo und auch für mich eine besondere Situation. Noch nie mussten wir unter derartigen Bedingungen arbeiten. Pädagogik und Pandemie- Einschränkungen sind im Rückblick mehr ein Hürdenlauf gewesen, an dem man regelmäßig freitags gegen 15:30 Uhr die Hürden verrückt, erhöht oder entfernt hat. Von normalen, gewohnten Abläufen waren und sind wir immer noch weit entfernt. Pipapo arbeitet, hat aber seit Beginn der Betriebsaufnahme keinen Tag im Normalmodus gearbeitet.

Und nun verlassen die ersten Kinder – die Schwalben – das FidL-Kinderhaus Pipapo. Mich macht das nachdenklich… Sind die Schwalben für das nächste Abenteuer gerüstet? Konnten wir trotz der Hürden genug Gepäck mit brauchbaren Utensilien packen? Diese Frage bleibt offen. Wir haben versucht es so gut wie möglich zu organisieren. Dabei bleibt festzuhalten, dass die Fähigkeit zu improvisieren manchmal für völlig neue Sichtweisen und pädagogische Ansätze sorgt. So auch im FidL-Kinderhaus Pipapo.

Aus den ersten kleinen Geschichten, die ich in dieser Zeit erst erzählt, dann aufgeschrieben habe, um mit den Kids auch zu Hause in Kontakt zu bleiben, wird -wenn es so weiter geht- ein Kinderbuch. Mein Freund und Musikerkollege Bodenski hilft dabei. Geschichten kann man verschicken, Kinder können diese hören, Eltern haben etwas zum Vorlesen. Und es dreht sich irgendwie alles um Pipapo.

So auch am Freitag, 25.06.2021 für die Schwalbengruppe. Pünktlich um 9 Uhr beginnen wir mit dem Morgenkreis. Da liegen nur ein kleines Blatt und eine Lupe. Das Blatt ist unspektakulär grün, „enthält wahrscheinlich Chlorophyll“, meint Janet. „Nee ist nur grüne Farbe, ist eindeutig aus Papier“, meint Albert*. Bei genauerer Betrachtung sind aber feine Linien, Striche und Punkte zu erkennen. Das ist aber so winzig, das nun kurzer Hand mit einer Lupe geforscht wird. Das machen die Schwalben sehr gewissenhaft. Jeder schaut, und nach kurzer Zeit ist man sich einig, dass es sich um Buchstaben und Zahlen handelt.

Wer kann denn so klein schreiben? Von diesem Zeitpunkt an merke ich, dass sich das improvisieren auszahlt. Die Geschichten von Pi, Pa und Po dem Floh sind den Kindern so geläufig, dass die Brücke sofort hergestellt wird. Also waren die Ameisen hier… Pi kann schreiben und lesen! Das ist eine Nachricht an uns! Mein Plan geht auf und ich bringe den Kopierer ins Spiel. Mit dem kann man super vergrößern. Der hat so eine Art Super-Lupe eingebaut. Das wissen die Schwalben längst.

Also geht es mit einer „Vergrößerung“ weiter. 

Nachricht von Pi Pa und Po

Hallo Kinder,

nach einer langen Abenteuerreise haben wir es geschafft, unsere alte Wiese wieder zu finden. Jetzt steht hier euer Kinderhaus. Es sieht spannend aus und wir haben euch schon öfter von Weitem beobachtet. Direkt auf den Spielplätzen oder vom Feldrand. Neulich habt ihr euch Mohnblumen, Kornblumen und das Getreide angeschaut, das konnten wir gut beobachten. Pa ist sogar schon Mal in eurem Haus gewesen. Er hat sich hinter einem Mülleimer versteckt und beim Morgenkreis zugehört. So wie jetzt gerade. Wir wissen, dass ihr gerade im Morgenkreis seid! Wir haben eine Bitte an euch Schwalbenkinder… könnt ihr uns helfen?

Wir haben euch von Henriette eine Karte malen lassen. Ihr müsst ganz allein ohne Hilfe der großen Menschen den Weg finden, den die kleine Lernhexe aufgezeichnet hat. Da gibt es dann vier Abenteuer zu bestehen, die alle etwas mit den vier Elementen zu tun haben. Das haben wir, Pi, Pa und Po alles auf unser großen Abenteuerreise gelernt.

  1. Das erste Element heißt Wasser und ist sooooooo wichtig! Hier in Fahrland gibt es einen Ort, wo noch viel Wasser vorhanden ist. Findet diesen Ort und macht bitte Wasserproben um zu erforschen, ob das Wasser für die Pflanzen und Tiere in Ordnung ist. Bauer Ruden wird es euch danken. Er und alle anderen Tiere und Menschen brauchen dringend sauberes Wasser. Ohne das Wasser würde es uns alle nicht geben. Deshalb ist Wasser sehr wertvoll.
  2. Das zweite Element heißt Feuer. Feuer kann Leben vernichten, aber auch für „Neues“ sorgen. Man kann damit wunderbar Essen zubereiten. Manchmal zerstört jedoch Feuer auch einen ganzen Wald oder eure Menschenhäuser. Es gibt große Menschen die dagegen kämpfen und alles tun, damit das nicht geschieht. Findet diese Menschen und lasst euch erklären, wie man Feuer bekämpfen kann.
  3. Das dritte Element heißt Luft. Auch hier gibt es eine Aufgabe. Pa und auch Pi haben euch belauscht, als es um das Thema Luft, Fliegen, Vögel ging. Das war super spannend. Wir drei werden das alles versuchen nachzumachen. Am spannendsten fanden wir den Ballonflug. Auf einer großen Wiese könnt ihr heute nochmal ein Ballonexperiment wagen. Wir werden ganz sicher dort sein. Unser Freund, die Krähe Felix wird uns an diesen Ort fliegen, um euch aus dem Gras zu beobachten!
  4. Das vierte und letzte Element heißt Erde. Ohne Erde gäbe es kein Futter für die Tiere, keine Felder und Wiesen, keine Ameisen und keine anderen Feldtiere. Auch der Wald und unser Ameisenschloss könnte es nicht geben. Bitte sucht mit der Karte von Henriette unser Hügel-Schloss. Amu und alle unsere Schwestern leben jetzt dort. Wie wichtig der Wald und unsere Behausung ist, wird euch ein Jäger erklären, der die Aufgabe hat, die Natur, die wilden Tiere zu schützen und zu erhalten. Die Jagd ist nur ein Teil seiner Aufgaben. Er wird euch Fragen stellen, um zu sehen ob ihr im Pipapo gut aufgepasst habt. Vielleicht hat er sogar einen Jagdhund dabei!

Ihr werdet merken, dass so ein Abenteuer anstrengend ist, denn es gibt keinen Mittagsschlaf. Einige von euch werden, wenn wir richtig gelauscht haben, das Kinderhaus verlassen und in die Schule gehen. Diese Aufgaben werden helfen zu verstehen, dass hier das nächste große Abenteuer auf euch wartet. Po belauscht euch oft beim Singen... den Pipapo Song kann er schon auswendig. Sogar die dritte Strophe, die euch immer noch schwerfällt! Henry vergisst ja auch immer die Hälfte. Ihr müsst ihm da immer etwas helfen. Zu eurem Abenteuer passt der neue Song „Manchmal“ am besten. Vielleicht singt ihr den ja auf eurem heutigen Weg, den ihr nun suchen sollt.

"Viel Glück und Spaß dabei!" sagen Pi, Pa und der Floh Po

Gesagt, getan! Nach wenigen Augenblicken ziehen mit einer Karte im Gepäck, der Gruppenerzieher, die Schwalben und ich los. Es ist wenigstens in diesem Moment so wie im Song… “der richtige Augenblick“ und es fühlt sich gut an. Ein kleiner Moment vermisste Normalität. Gegen 15:30 Uhr erreichen wir „die Freunde“ nach besagten Stationen geschafft, aber immer noch voller Elan unseren Kindergarten. „Waschen, Pullern und ab zur letzten Station“ Draußen warten gespannt die Eltern. Auftritt!

Ich glaube, der Einzige der gerade in diesem Moment müde ist, bin ich. Die Schwalben sind jedenfalls textsicher, laut und mächtig stolz. Wir können in diesem Moment …auf den man warten muss… zeigen, dass trotz Pandemie ein …kleiner Schritt… möglich und nötig ist. Auch wenn Erwartungshaltungen einiger weniger Erwachsener unerfüllt geblieben sind - dies legte die Pandemie ebenfalls offen. Wir werden unbeirrt weitermachen.

An dieser Stelle möchten wir uns bei der Freiwilligen Feuerwehr Fahrland, dem Softeisladen, der Jagd-Gemeinschaft Fahrland, Herrn Simon und den Eltern, Frau Unmack und Frau Dundre ganz herzlich für die Unterstützung bedanken.

Die ersten Schulkinder verlassen Pipapo und mit fällt der Refrain von „Manchmal“ ein:

Und der Weg den Du suchst, ist ne Reise durch die Zeit. Der Anfang jagt das Ende und der Moment, in dem Du jetzt lebst, ist schon Vergangenheit.

*Namen der Kinder geändert.