Pandemie-Gedanken - ein Jahr danach

Fast ein Jahr ist es her, dass erstmalig Kitas in Potsdam, Brandenburg - ja ganz Deutschland geschlossen wurden. Für "systemrelevante Berufe" wurde eine "Notbetreuung" eingeführt. Nun gibt es erste Impfangebote für das pädagogische und technische Personal. Etwas grundlegender sieht dies unser Autor und mahnt zum Nachdenken.

Die erste Meldung einer neuen Virus-Infektionskrankheit irgendwo in den Weiten des chinesischen Riesenreiches in einer Stadt, die ich zufällig schon Mal in einem künstlerischen Zusammenhang wahrgenommen hatte, erreichte meine Aufmerksamkeit kaum. Zu viele Nachrichten, Sensationsmeldungen und Katastrophenberichte prasseln dank unserer globalisierten Welt auf uns ein. Ich kann mich da nicht ausnehmen. Die eigenen Filter unser medialen Welt sind höchst unterschiedlich gesetzt und eingestellt.

Was in den letzten Monaten passiert ist, heißt Pandemie. Eine Definition, die ich erst langsam begriffen hatte. „Weltweit“ bedeutet genau genommen „Menschheit“. Hier geht es nicht mehr um Regionen, Städte, Bundesländer, Länder, Kontinente. Nein, hier geht es um die „kleine blaue Kugel“ insgesamt. In den kommenden Wochen und Monaten musste ich jedoch lernen und akzeptieren, dass das große Ganze nicht zu unseren Konzepten von gemeinschaftlichen Leben passt. Eine Pandemie schert sich nicht um Gesellschaftssysteme, Wertvorstellungen, Finanzsysteme, Kulturen oder PolitikerInnen, die versuchen in ihren Grenzen intelligente Entscheidungen zu treffen. Eine Pandemie stellt in gewisser Weise die Intelligenz dieser Menschheit auf den Prüfstand.

Inwieweit sind wir in der Lage zu begreifen, dass es KEINE Lösung gibt, die mit unseren bisherigen Systemen funktioniert? Meine Antwort fällt nach einem Jahr Pandemie ernüchternd aus.

„Wir haben keine Lösung.“

Wir kommen aus unserer Haut nicht raus. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen entwickeln Impfstoffe in Rekordzeit - und das weltweit. Unabhängig vom Wettstreit der Systeme. Alltags-/medizinische/FFP2-/KN95-Masken werden produziert. Sicherheitskonzepte werden erdacht, ausprobiert oder einfach ignoriert - auch ein Weg mit der Situation umzugehen.

Entscheidend ist jedoch, dass man mit der Tatsache, dass die „kleine blaue Murmel“ gefährdet ist, Geld verdient - zu viel Geld verdient. Der Profit ist wichtiger als dieser kleine Ort an dem sich menschliches Leben entwickelt hat. Ein Wimpernschlag der Evolution stellt sich selbst zur Disposition! Und wo stehe ich in diesem Wertesystem? Ich bin mitten drin... kann nur reagieren und über uns Menschen nachdenken. Proaktiv zu arbeiten -  wie ich es gern mache - funktioniert nur in ganz kleinen Ausschnitten. Und wird doch aber dem großen Ganzen nicht gerecht.

Da ich kein Politiker bin (und nicht den Anspruch erhebe es jemals zu werden), ist diese persönliche Forderung eher ein künstlerisches Statement an alle, die Spaß daran haben, über ganz elementare einfache Sachen nachzudenken:

1.       Mit einer Pandemie darf man kein Geld verdienen und sich bereichern - nicht als EinzelneR oder Unternehmen.

2.       Alle Kraft der sogenannten „Krönung der Schöpfung“ sollten genutzt werden, um zu begreifen, dass es hier um die "kleine blaue Murmel“ geht.

3.       Freigabe allen Wissens um Impfstoffherstellung ist erforderlich, um weltweit in ausreichenden Mengen zu produzieren. Das Virus wartet nicht auf Impfreihenfolgen und mutiert so jeden Tag weiter.

4.       Alle medizinischen Maßnahmen, nutzbare Medikamente, Teststrategien müssen weltweit verfügbar werden.

Fazit: Wir machen so weiter wie immer.

Am Freitag, den 05.03.2021 wurde ich mit einem Impfstoff auf Grund einer Risikoindikation gegen Covid 19 erstgeimpft. Die Mehrheit der MitarbeiterInnen von FidL - Frauen in der Lebensmitte e.V. wird in dieser Woche freiwillig folgen. Wir werden weiter testen und auch zukünftig versuchen, verantwortungsbewusst mit dem Problem der „kleinen blauen Kugel“ umzugehen.

Verluste aus meinem persönlichen Umfeld und Bekanntenkreis, der zugegebener Maßen recht groß ist: vier Todesfälle. Davon zwei in meinem Alter - ohne Vorerkrankungen. In Deutschland 71.934 Tote - Stand 08.03.2021.

Ich wünsche allen Gesundheit sowie Momente des Innehaltens und Nachdenkens.

Henry Sawade