Schokolade ohne Zucker ist wie Kuchen ohne Sahne

Die FidL-Kinderhäuser unternehmen regelmäßig Ausflüge zu verschiedensten Zielen in Potsdam und Umgebung. Mitte Juni gab es einen besonderen Streifzug, der Kinder des FidL-Kinderhauses Fridolin nach Berlin führte. Hier ist nun der Ausflugsbericht der Papageiengruppe…

Berlin. Bundestag. Fraktionsebene. Im weiten Rund aus Glas und Stahl tummeln sich gerade weder Bundespolitik noch Medienzirkus. Es sitzen 14 Schulpapageien auf einem endlosen Ledersofa und Leon hat soeben die engagierte Bundestagserklärfrau Barbara sprachlos gemacht. Eben noch stand ihr Parlamentarismus-Erklär-Szenario auf festen Füßen, eben hatten die Teilfraktionen der Papageien sich mehrheitlich (mittels offener Wahl durch einfaches Handzeichen) dafür ausgesprochen weniger Zucker in der Schokolade zu fordern. Jetzt hatte Leon getan, was häufiger getan werden sollte: er hatte die Debatte auf ihren Sinngehalt überprüft. Schokolade ohne Zucker sei doch wie Kuchen ohne Sahne! Auch Frau Barbara lachte nach einer Erkenntnissekunde gelöst.

Da waren die Schulpapageien schon mittendrin in ihrem großen und langen Berlin-Ausflugstag. Das Ziel war der Bundestag. Nach dem morgendlichen Aufbruchstanz im FidL-Kinderhaus Fridolin rund um die Brotdosen, die Warnwesten, die Gutenmorgenlieder und die Notrationen (Berlin – man weiß ja nie) waren sie auffällig entspannt. Quasi richtig routiniert führte es die Gruppe mit der Straßenbahn und danach am Gleis 4 mit der Pendlerregionalbahn nach Berlin bis vor „Merkels Waschmaschine“ (Dr. Angela Merkel, wie Alex berichtigen würde).

Zwischen schwarzen Limousinen und kleinen Grüppchen um den Arbeitsminister schlenderten die Papageien zur grünen Wiese vor dem Bundestag und holten sich ihre Besucherpässe ab. Das Gepäck wurde durchleuchtet, Tascheninhalte gefilzt, Kieselsteine im Dutzend für unbedenklich erklärt. Nun waren die Schulpapageien drin – mitten im Bundestag.

Hier nahm uns Frau Barbara in Empfang, ging mit uns die langen Wege um den Parlamentssaal, fuhr mit uns im verspiegelten Fahrstuhl und versammelte die Papageien im Fraktionssaal der Grünen-Fraktion („Kleiner als ich dachte“, so Tom). Wie die Abgeordneten sitzen die Gesandten FidL-Kinderhauses Fridolin auf den Stühlen. Sie fragen sich, wie sie bitte an die hohen Mikrofone kommen sollen.

Nun werden sie gefragt, ob sie von den Dieselautos und den Luftproblemen gehört hätten. – Klar! Anna meint, die machen „hintenraus mehr Dreck hintenraus“ als sie machen dürfen. Alex schlägt vor, die „Autozahl nicht zu erhöhen, sondern das Geld für die Autos zu erhöhen“. Lisa fragt nach, ob es auch Autos gebe, die „nicht stinkten“. Bevor wir weitere Räume erobern, muss noch ein Fraktionsbeschluss her, den wir in das Parlament einbringen können. Also stimmen die 14 Schulpapageien noch ab. Ergebnis: 6 sind für die Abschaffung des Diesels, 8 dagegen. Schau an.

Im Parlamentssaal sitzen die Papageien auf einer Besucherebene, schauen auf die noch leeren Sitzreihen. In zwei Stunden wird Frau Merkel hier befragt werden. Doch noch ist Frau Barbara dran. Warum der eine Sitz da größer sei (Bundestagspräsidium), ob Frau Merkel die obere Chefin von dem Bundestag sei (nein, Herr Schäuble), ob die Spiegel auch von der Decke fallen könnten (kritischer Blick: nein), wie hoch der Saal wäre (hmzig Meter [Autor war abgelenkt]), warum einige Stühle so eng zusammenstünden (wegen der Fraktionen, die säßen in Tortenstücken). Und während Frau Barbara die Ruhe selbst bleibt, murmelt Heike zu Henry: „Torte! Wir brauchen morgen im Morgenkreis eine Torte!“ „Mit Sahne!“, so Henry.

Den Weg in die Glaskuppel schaffen wir ohne Frau Barbara. Die Papageien ringeln sich die Rampe entlang, jede halbe Runde bringt mehr Übersicht. Goldene Kuppeln werden entdeckt, Fußballfahnen, Fernsehtürme, die Wiese, auf der wir am Vormittag Äpfel aßen. Der Anblick der Kinder, wie sie sich den Ort zwischen all den Menschen erobern, den hohen Ausblick nutzen (auch Gregor), macht auch uns begleitenden Eltern Mut: Sie können das. Oben unter fast freiem Himmel schlägt dann die Fridolingewohnheit zu: kollektiver Hunger macht sich breit.

Als sich die endlos hohen Glasschleusentüren des Bundestages hinter uns schließen, stehen die Schulpapageien etwas platt, aber sortiert da. Wir suchen Schatten, setzen uns und verteilen das Picknick. Zu hören ist nur ein Gemurmel.

Auf dem Rückweg über die Spree, durch den Hauptbahnhof, im Regionalexpress ergibt die Stille Post unter den Papageien ein Gerücht: man habe davon gehört, es könnte heute noch Eis geben. In Potsdam angekommen sorgt Heike für Klarheit und kauft Eis. Für alle.

Und so hocken 14 Schulpapageien, und vier Altvögel beisammen, genießen das süße Ende des Berlintages (Danke, Förderverein) und spazieren mit einem ebenso schönen wie klugen Erlebnis weiter Richtung Kitazeitende.