Wo Fauch wohnt und Könige lebten...

Eine Zeitreise in die preußisch-deutsche Geschichte ist für Kindergartenkinder sicher eine Herausforderung. Aber auch für pädagogische Fachkräfte und Schlossführerinnen keine leichte Aufgabe, da Zeiträume, Vorlieben und Interessen der Zeit, kindgerecht und verständlich erklärt werden müssen. Der Besuch des Marmorpalais im Potsdamer Neuen Garten gehört zur vorschulischen Bildungsaufgabe des FidL-Kinderhauses Fridolin seit zehn Jahren.

Mitte Mai war es endlich soweit, wir machten uns frohgelaunt und etwas aufgeregt auf den Weg in den Neuen Garten in Potsdam. Eigentlich ein Routineweg, den jedes Fridolin-Kind im Laufe seiner Kindergartenzeit kennenlernt. Heute jedoch schauen wir uns das Marmorpalais von innen an. Viele Details, Materialien, Reliefs und deren Bedeutung kennen wir bereits als Betrachter der Schloss-Fassaden. Aber was wird uns im Schloss erwarten?

Die Papageien gehen den kurzen Weg, direkt über die Eichenallee zum Schloss. In den Rabatten sind die Gärtner der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) mit der Vorbereitung für die Sommerbepflanzung beschäftigt. Ein guter Grund, „Guten Tag“ zu sagen und zu schauen, welche Arbeiten dort gerade erledigt werden. Es dauert nicht lange und wir werden vom Schloss aus entdeckt.

Die Schlossassistentin im Marmorpalais, Frau Sonja Puras, kommt uns entgegen und freut sich über den Besuch aus dem FidL-Kinderhaus Fridolin. Viele Mitarbeiter der SPSG, rund um das Marmorpalais, kennen die Kinder, da wir oft hier unterwegs sind. Zwei Minuten später stehen wir mit Schlosspantoffeln in einem großen ovalen Raum. Sichtlich beeindruckt mustern die Kinderaugen viele Details und Ausstattungsgegenstände.

Frau Jennifer Balk, unsere Schlossführerin, begrüßt uns und ist sichtlich beeindruckt von der Aufmerksamkeit und Ruhe der kleinen Besucher. Für sie ist heute der Altersbereich 5-6 Jahre auch eine Premiere. Ganz schnell ist das Eis gebrochen und die Papageien stellen ihre Fragen. „Welcher König hat denn nun in dem Schloss gewohnt?“ „War es der Soldatenkönig oder der Flötenkönig, auch Alter Fritz genannt?“ Frau Balk lächelt und hat ganz schnell die passende Antwort parat. „Keiner von Beiden“. Nachdem nun geklärt wurde, dass nach Friedrich II., ein weiterer König, Friedrich Wilhelm II. in den Jahren 1787–1793 das Marmorpalais errichtet hat, entsteht ein reges Frage- und Antwortspiel.

Wir lernen etwas über die allegorischen Darstellungen und deren Bedeutung. Da werden Jahreszeiten und Tierkreiszeichen sichtbar. Jeder Raum ist besonders aufwendig gestaltet und wir schauen uns alles ganz genau an. Der Vergleich zum FidL-Kinderhaus Fridolin fällt nüchtern aus. „Der König hatte viel Geld und Gold - aber wir haben dafür mehr Spielzeug im Fridolin“. Dann entdecken wir im Arbeitszimmer des Königs einen Drachenkopf, der aus der Wand schaut. Ob das Fauch ist? Alle sind aufgeregt. „Der ist ja aus Eisen!“ Jetzt erfahren wir, dass dort heiße Luft – also so ähnlich wie bei einer heutigen Heizung - rauskam.

Die Papageien singen ganz spontan ein Ständchen für die Schlossführerin. Das Lied vom Drachen Fauch, hatte sie noch nie gehört. Dementsprechend erstaunt und begeistert wurde der Song aufgenommen. Nachdem wir den Küchengang und den Speisesaal inspiziert haben, verabschieden wir uns von Frau Balk sowie Frau Puras und überreichen eine Morgenkreis-CD. Darauf ist auch der Song vom „Kleinen Drachen Fauch“. Wir versprechen nochmal wiederzukommen.

Die Stunde war viel zu schnell vorbei und es gibt noch eine Menge mehr im Schloss zu entdecken. Wir bedanken uns bei den Mitarbeitern der SPSG - insbesondere bei Herrn Harald Berndt, der als Kastellan des Schlosses, den satzungsgemäßen Bildungsauftrag der Stiftung Die Stiftung hat gemäß Artikel 2 des Staatsvertrages die Aufgabe, die Interessen der Allgemeinheit, insbesondere in Wissenschaft und Bildung, zu ermöglichen“, § 1 Aufgaben der Stiftung), so verantwortungsbewusst und unkompliziert umsetzt.

Henry Sawade
Vorstandsvorsitzender
FidL e.V.